Kanzlei

Problemhafter Stabwechsel

Wenn Unternehmen übergeben werden, bedarf es einer kompetenten Beratung „Unternehmensnachfolge" ist häufig ein Tabuthema – und das obwohl jährlich landesweit über 10 000 Betriebe betroffen sind.

Rund 120 interessierte lockte das Thema „Unternehmensnachfolge im Ländlichen Raum" in das schmucke Dienstleistungszentrum der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim in Hessental.

 

Und so mancher Zuhörer hatte die einfache Wahrheit vor Augen: „Wenn sich kein Nachfolger findet, scheidet das Unternehmen am Markt aus", warnte Dr. Helmut Kessler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie und Handelskammer Heilbronn-Franken, in seinem Impuls-Vortrag. Als ausgewiesener Nachfolgeexperte hatte Kessler das äußerst erfolgreiche „Moderatoren-Konzept" der Kammer inhaltlich vorgestellt. Als Person für diese sehr intensive Form der Nachfolgebetreuung, die zwischenzeitlich bundesweit Nachahmer findet, steht in der Region sein Mitarbeiter Jürgen Becker, der als „Nachfolgemoderator" innerhalb von sechs Jahren bereits mehr als 600 Fälle bearbeitet hat. Zirka ein Drittel konnten bisher abgeschlossen werden.
Jürgen Becker hilft den Firmenchefs bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger und sensibilisiert die Firmeninhaber darüber hinaus für eine ganze Reihe von rechtlichen Fragen, die bei der Übergabe eines Betriebes möglichst frühzeitig bedacht werden sollten. Die steuerlichen Aspekte beleuchtete Steuerberaterin Maria Köhnlein (Köhnlein, Beierlein & Kollegen). Sie rechnete vor, dass es sinnvoll sein kann, vom Sohn den Kaufpreis zu verlangen, statt ihm den Betrieb zu schenken. Zudem verriet sie, dass jährlich Millionen von Euros als gesetzliche Sozialabgaben von Leuten gezahlt werden, die eigentlich gar nicht sozialversicherungspflichtig sind. „Gefährdet" seien Familienangehörige, die seit Jahren im Betrieb beschäftigt sind. Diesen legte Maria Köhnlein ans Herz, klären zu lassen, ob sie Angestellte oder doch eher Mitunternehmer seien.

Heribert Lohr, verantwortlicher Redakteur von RegioBussiness, moderierte die anschließende Podiumsdiskussion. Er ermunterte die Zuhörer, vor der Unternehmensübergabe Beratungsangebote wahrzunehmen und präsentierte einen Beispielfall, bei dem sich dies gelohnt hat: Ralph Linke vom Crailsheimer Autohaus Linke hatte sich mit seiner Familie geeinigt, dass er dem Vater als Chef folgen sollte. „Nur die Details waren unklar. Deshalb war es gut, dass uns Herr Becker von der IHK beraten hat". Doch bis zu diesem Punkt seien Zeit und wohl auch steuerliche Gelder verloren gegangen. Heute ist Ralph Linke jedenfalls der Chef.

Eine andere Möglichkeit ist die Übergabe an eine externe Person. Jürgen Kutscher war einige Zeit auf der Suche einem passenden Unternehmen, das er übernehmen wollte. Schließlich fand er die Firma Vogelmann Chemie in Crailsheim. „Anfangs war dies recht brisant, weil es im Unternehmen keiner wissen sollte", erzählt Kutscher. Er war sich allerdings sicher, „aus dem Unternehmen etwas machen zu können".

Zur Finanzierungsfrage äußerte sich Sparkassen Vorstand Klaus Ehrmann: „Grundvertrauen der Bank in den Unternehmer ist die Basis für positive Kreditentscheidungen". Dafür bedürfe es eines plausiblen Unternehmenskonzeptes.

Helmut Wahl, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Schwäbisch Hall war begeistert, dass die Mitwirkenden alle Informationen so praxisnah und intensiv vermittelt hatten.

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