Kanzlei

Wenn der Chef den Betrieb abgibt

Fachleute thematisieren das Tabuthema „Unternehmensnachfolge"

Wer soll später einmal das Unternehmen übernehmen?
Wie lassen sich dabei Steuern sparen? Wo gibt es zuverlässige Beratung? Antworten auf solche Fragen lieferten in Hessental verschiedene Experten.

Sabine Franz

Schwäbisch Hall.

„Unternehmensnachfolge im ländlichen Raum" – um dieses hochsensible Thema ging es am Dienstagabend in Schwäbisch Hall-Hesental. Die Veranstaltungsreihe der Akademie Ländlicher Raum Baden-Württemberg wird landesweit mit variablen Schwerpunkten angeboten.
„Eine rechtzeitige Nachfolgeplanung hilft, den Fortbestand des Unternehmens zu sichern", betonte Klaus Ehrmann, Vorstandsmitglied der Sparkasse Schwäbisch Hall-Crailsheim, in deren Räumlichkeiten sich 120 Interessierte eingefunden hatten. Dr. Helmut Kessler, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Heilbronn-Franken (IHK), ließ sogleich Zahlen sprechen: „In der Region stehen pro Jahr etwa 1000 Unternehmen zur Übergabe an. Findet sich kein Nachfolger, scheiden diese Betriebe am Markt aus."

Oft werde die Notwendigkeit, die Nachfolge zu regeln, erst reichlich spät erkannt. Er riet den Unternehmern, sich bereits in jungen Jahren damit auseinanderzusetzen. Denn: „Es gibt auch noch den Unfalltod." Letztendlich gelte es zu überlegen, ob jemand aus der eigenen Familie später das Steuer übernehme oder ein Externer.
Neutrale Beratung könne den Betroffenen helfen. Eine Möglichkeit sei das erfolgreiche „Moderatorenkonzept" der IHK. Nachfolgemoderator Jürgen Becker spreche potenziell Übergeber gezielt an und biete Hilfestellung bei Konflikten.
Das Ganze laufe streng vertraulich ab. „Da geht's dann auch um Probleme wie Scheidung, uneheliche Kinder und Erfolgszahlen", verriet Kessler. In sechs Jahren konnten mit Hilfe des Konzepts 219 Übergaben abgeschlossen werden, an denen 2672 Arbeitsplätze hingen.
Die steuerlichen Aspekte beleuchtete Steuerberaterin Maria Köhnlein (Köhnlein, Beierlein & Kollegen). So legte sie in einem Rechenbeispiel eindrucksvoll dar, dass es sinnvoller sein kann, vom Sohn den Kaufpreis zu verlangen, statt ihm die Firma zu schenken.
Heribert Lohr, verantwortlicher Redakteur der Wirtschaftszeitung RegioBusiness, moderierte die anschließende Podiumsdiskussion.

Einer der Beteiligten war Ralph Linke vom Autohaus Linke in Crailsheim. Mit seinem Vater und der Schwester hatte Linke abgesprochen, dass er den Betrieb übernimmt. „Allerdings waren die Details noch nicht klar", schildert er. Dank eines Anrufs von Seiten der IHK konnte auch „vermögensrechtlich eine gute Lösung" gefunden werden.
Jürgen Kutscher hatte sich als „Externer" im Internet auf die Suche nach einem geeigneten Betrieb gemacht, den er übernehmen wollte. Seine Wahl fiel auf die Firma Vogelmann Chemie in Crailsheim. Besonders das Aushandeln des Kaufpreises sei ein „hartes Ringen" gewesen. „Bei solchen Knackpunkten konnten wir schon den einen oder anderen Fall entschärfen", warf IHK-Berater Jürgen Becker ein.
Bei einer Übernahme spielt aber nicht nur die Beratung, sondern auch Finanzierung eine große Rolle. „Das Firmenkonzept muss plausibel sein und überzeugen", informiert Sparkassen-Vorstand Klaus Ehrmann.
Helmut Wahl, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Schwäbisch Hall war begeistert, dass die Teilnehmer alle Informationen so praxisnah und intensiv vermittelten.

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